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Hintergrund

© Robert Kneschke / Fotolia

Wo Kinder gerne zur Schule gehen…

Prinzip Partizipation in der Schule

Janina besuchte eine reguläre Grundschule in Berlin. Gefallen hat es ihr dort überhaupt nicht. Kein Wunder, die Klassenlehrerin bestand darauf, dass ihr jeder Schüler morgens die Hand zu geben habe, die Englischlehrerin schlug sogar Kinder, und eine gemeinsame Theateraufführung wurde mit den Worten „Die Kinder sind zu schlecht“ abgesagt. Grund genug für Janinas Eltern, eine Schule zu suchen, die anders mit Kindern umgeht.
In Berlin-Mitte steht nicht weit vom Alexanderplatz die Evangelische Schule Berlin Zentrum (ESBZ). Dort gibt es ungewöhnliche Fächer, die es nicht an jeder Schule gibt.

Lernbüro

Im Lernbüro entscheidet Janina selbst, ob sie morgens in den ersten zwei Stunden lieber Mathe, Deutsch oder Englisch machen möchte. Sie teilt sich das selbst ein, lernt mit einem Kartensystem und kann sich bei Fragen an den Lehrer oder den betreuenden Tutor wenden. Wenn sie das Gefühl hat, dass sie ihren Stoff beherrscht, kann sie sich selbst testen und zur Klassenarbeit anmelden. Ganz in ihrem Tempo. Mithilfe des Lernbüros beginnen Kinder, eigenständig und eigenverantwortlich zu lernen. Außerdem können sie sich und ihre Leistungen besser einschätzen.

Verantwortung:

Neben dem Unterricht arbeiten die Schüler auch einmal in der Woche. Wichtig ist das soziale Engagement. Janina hat sich zum Beispiel in ihrem alten Kindergarten beworben. Dort spielt und bastelt sie einen Nachmittag in der Woche lang mit den Kindern. Denn das Ziel dieses „Arbeitstages“ ist es, dass Schüler anderen etwas zeigen, was sie selbst besonders gut können. Zwei Klassenkameraden von Janina gehen in ein Altersheim. Dort sammeln sie alte Koch- und Backrezepte der Senioren und zeigen ihnen, wie sie daraus ein E-Book machen. Die Wertschätzung, die Kinder dabei erfahren, fördert die Empathie und beeinflusst ihr künftiges soziales Engagement.

Herausforderung

In den Klassen 8, 9 und 10 planen Schüler eigenständig eine dreiwöchige Reise. Ihnen steht dafür ein begrenztes Budget von 150 Euro pro Person zur Verfügung. Davon müssen Fahrt, Proviant und Übernachtung abgedeckt sein. Bevor die Reise beginnt, prüft ein Tutor die Details, gibt Ratschläge und hilfreiche Hinweise. Es reist auch meist als erwachsene Begleitung ein Student mit – zur Beruhigung der Eltern und für den Fall der Fälle. Seine Kosten für Reise und Essen müssen vom Budget der Schüler ebenfalls bestritten werden. Es ist also knapp. Im ersten Jahr fährt Janina mit einer Klassenkameradin auf einen Bauernhof nach Brandenburg und muss dort kräftig mitarbeiten. Sonntags bedienen die beiden im Bauernhofcafé. Alles anstrengend, aber es macht Janina Spaß. Andere fahren mit dem Fahrrad und einem Zelt an die Nordsee oder paddeln in Polen bis zur weißrussischen Grenze.
Geht ein Fahrrad kaputt oder das Geld aus, müssen die Schüler allein und selbstständig ihre Probleme lösen. Nach jeder „Herausforderungsreise“ ist Janina viel selbstbewusster, sie hat zusammen mit den Freunden gelernt, Konflikte zu lösen, Stresssituationen auszuhalten und zu meistern, und hat damit ein bisschen Lebenswirklichkeit kennengelernt.

Janina freut sich schon auf die 11. Klasse. Dort gibt es die Aktion „Alle ins Ausland“. Sie weiß schon genau, was sie vorhat: Sie hat sich in einem israelischen Zoo beworben und wird dort im Affenhaus arbeiten. Bis es so weit ist, geht sie jeden Tag gerne zur Schule und organisiert ihren Lernalltag so selbstständig, dass ihre Eltern kaum noch Hausaufgaben mehr zu sehen bekommen, geschweige denn kontrollieren müssen.

Mehr Infos zu Aktionen ähnlicher Schulen: www.schule-im-aufbruch.de