Logo stark! für deine Rechte

Symbol Wir helfen Dir

Hintergrund

© Antonioguillem / Fotolia

Streich oder Cybermobbing?

Was wir präventiv tun können

Tina, Leni und Conni haben eine super Idee. Sie wollen der dicken Biologielehrerin unter den Rock fotografieren. In der Hofpause rückt Tina dazu ihr iPhone heraus, Leni und Conni schleichen sich an die Lehrerin heran. Die eine täuscht vor, sich die Schuhe zu binden, die andere schießt das Foto. Anschließend macht das Bild mit dem vollen Namen der Lehrerin und einem beleidigenden Spruch die Runde. Als sie davon erfährt, erleidet sie einen Nervenzusammenbruch und fällt für ein halbes Jahr aus. Die Schule reagiert sofort, beruft rasch eine Konferenz ein und plant, die Mädchen der Schule zu verweisen. Aber ist das richtig?

Erst prüfen, dann bestrafen

Wenn es darum geht, die drei Mädchen zur Rechenschaft zu ziehen, muss folgendes bedacht werden:
Haben Tina, Leni und Conni diesen Streich mit dem festen Vorsatz gespielt, ihrer Lehrerin möglichst großen seelischen Schaden zuzufügen? Oder war es vielleicht eher so, dass sich die Mädchen gar nichts dabei gedacht haben? Keine Frage, für die Biologielehrerin ist die Sache so oder so schlimm, und daran gibt es überhaupt nichts zu beschönigen. Dennoch: Haben wir nicht alle als Kinder Streiche gespielt? Ja, aber …

Ein Streich im Internet

Im echten Leben gibt es bei einem Streich meistens eine Gruppe von Betroffenen und Zuschauern, die überschaubar bleibt. Ein Streich im Internet jedoch nimmt recht schnell an Fahrt auf. Zigfach werden die Bilder und Fotos geteilt und zudem mit hämischen Kommentaren versehen. Das ist den drei Mädchen überhaupt nicht klar gewesen, da sie nie so weit gedacht haben. Schlimmer noch: Sie leiden nun mit der Lehrerin mit, weil sie erstens ganz bestimmt nicht wollten, dass sie einen Nervenzusammenbruch erleidet, und zweitens, weil sie sich gegenüber der unerbittlichen Dynamik des Internets ohnmächtig fühlen.

Was können wir tun?

Seitdem Smartphones in Kinderhänden sind, müssen Eltern und Schule immer wieder die Problematik „Was geht mit Fotos, was geht nicht?“ thematisieren. Denn die meisten Kinder wollen selbst auch nicht Opfer eines Fotostreichs werden. Dazu gehört:

  • Was geht mit Fotos und was nicht?
  • Was ist das Recht am eigenen Bild?
  • Was ist das Persönlichkeitsrecht?
  • Was ist Cybermobbing, und welche Folgen kann Cybermobbing haben?
  • Was würdest du tun, wenn ein dummes Foto von dir die Runde macht?
  • Was sagt eigentlich die Polizei dazu?

Blaues Auge

Tina, Leni und Conni kommen mit einem blauen Auge davon und werden „nur“ verwarnt. Sie haben der Lehrerin einen sehr ausführlichen Brief geschrieben und sie später auch zu Hause aufgesucht, um sich persönlich zu entschuldigen. Immerhin hat die Schule den Vorfall zum Anlass genommen, um ein angemessenes Medienkompetenzpaket zu schnüren.